Spannend ist, das die Idee ein Tagebuch zu führen erst richtig interessant wird, wenn jemand das Tagebuch liest. Ist das nicht eigentlich paradox? Ich meine, im Normalfall will man sein Tagebuch eben nicht teilen. Geheimniskrämerei und so. Ist das eine Veränderung in der Gesellschaft, oder ein Fortschreiten der allgemeinen Selbstwahrnehmung?
Anders gesagt, vielleicht gab es ja schon immer Leute, die heimlich hofften, irgendwer würde ihr Tagebuch lesen. Aus dem Verlangen nach gedanklicher Intimität. Ist ein Tagebuch mehr als ein intimes Zwiegespräch mit dem aktuellen Selbst? Ein Zwiegespräch, das man lieber mit einem Menschen führen würde. Zu den wichtigsten Dingen im Leben gehören doch die tiefgründigen Gespräche, ab und an.
Ein interessanter Gedanke (meine Wertung) dazu ist mir mal gekommen. Man ist ja doch mit jedem Menschen mit dem man zu tun hat, jemand anders. Oder nicht vollständig. Jeder Freund bekommt eine andere Spitze des Eisbergs vom eigenen selbst zu sehen. Dabei wünscht man sich ja Vollkommenheit, Vollständigkeit. Und so ein öffentliches Tagebuch würde folglich dabei helfen, sich selbst zu vervollständigen... gerade in den Augen der Welt.
Vielleicht macht das sogar ein bisschen Sinn. Wahrscheinlich erst, wenn's jemand liest.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen