Mittwoch, Juni 22, 2005

Don't forget to catch me

Wusstet ihr, das J.D. Salinger bei den Soldaten war, die am D-Day in der Normandie gelandet sind?
Salinger ist bekannt für seinen einzigen Roman "The Catcher in the Rye", der 1956 (geschätzt) erschienen ist. Der Roman handelt von einem Jungen, der von der Privatschule fliegt und ein Wochenende New York erkundet, um der unausweichlichen Heimkehr zu den Eltern aus dem Weg zu gehen. Dieser Junge, Holden Caulfield, ist seit Erscheinen des Romans DIE Vorbildfigur für jugendliche Rebellen, Peter Pans und Andere, die ein Problem mit der Erwachsenenwelt haben. Holden wehrt sich vehement, über das Ende des Buches hinaus, gegen den Eintritt in die Gesellschaft. Ein Roman über das Erwachsenwerden (Bildungsroman im Fachjargon) mit einem Helden der nicht Erwachsen werden will. Für den Protagonisten ist die ganze Welt eine Bande von Heuchlern und Lügnern zu denen er nicht zählen will, stattdessen klammert er sich an die Unschuld der Kindheit als einzige Möglichkeit wahrhaftig zu leben (dargestellt z.B. durch die Schwester Phoebe, die er vor dem Erwachsenwerden bewahren will).
So weit, so gut. Aber, ich frage mich, wie schafft man es einen Roman aus der ersten Person über einen sechzehnjährigen Jungen, der nicht erwachsen werden will, zu schreiben - und das so authentisch, dass bis heute der Roman bei jeder neuen Generation denselben Identifikationseffekt auszulöst - nachdem man den D-Day und alles was dazugehört miterlebt hat?
Man muss dazu ja in der Lage sein, die eigenen Erfahrungen auszuklinken und in einen Status zurückzufinden, den man selbst auf sehr brutale Weise verloren hat. Ich stelle mir das unglaublich schwierig vor. Wenn man jetzt etwas sagt wie, na klar Salinger hat ein furchtbares Massaker miterlebt, natürlich wünscht er sich die Unschuld der Kindheit zurück, vereinfacht man die Sache, meiner Ansicht nach, zu sehr. Ich wundere mich nicht darüber, dass er zurück will, sondern dass er zurück kann.
Soviel zu den Erkenntnissen dieses Morgens.

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