Donnerstag, Mai 03, 2007

"We are all part of his equation..."

Behind the Mask
The Rise of Leslie Vernon


Mal ganz ehrlich: Slasher Filme sind mittlerweile sowas von öde. Seit Michael Myers das erste Mal mit dem Messer für konservativen Werte geschlitzt hat, sind 28 Jahre ins Land gegangen und niemand hat sich gewagt die Formel auch nur das kleinste bisschen zu variieren. Selbst Filme wie Scream leben eher davon, dass sie so tun als würden sie die Formel verändern. Wirklich etwas anders machen sie eigentlich nicht. Die Spannung die bei aktuellen Slasherfilmen aufkommt, erinnert daher zumeist eher an die ZDF - Gartenschau als an einen Horrorfilm. Höchste Zeit die Katze ein für allemal aus dem Schrank zu lassen und dem Sounddesigner zu erklären, warum ein lautes RUMMS nicht gleichbedeutend mit Spannung ist.
Auftritt: Behind the Mask.
Die Idee dieses Films könnte schräger kaum sein. In einer Welt in der Michael Myers, Freddie Krüger und Jason Vorhees wirklich existieren, möchte der auf den ersten Blick ziemlich harmlos erscheinende Leslie Vernon in die erste Liga der "supernatural killers" aufsteigen. Ein Kamerateam bestehend aus drei Studenten dreht einen Dokumentarfilm über Vernon und erlangt so einen Blick hinter die Kulissen des Berufs "supernatural killer".
Was sich ziemlich abgefahren anhört, funktioniert über die erste Stunde des Films nahezu makellos. Behind the Mask zerlegt das Genre Slasherfilm auf so köstliche Art und Weise, das man sich wünscht, es gäbe noch mehr Klischees, die verwurstet werden könnten. Endlich erfährt man, warum die Türe im richtigen Moment zufällt, warum die zuvor perfekt funktionierenden Autos sich nie starten lassen und warum der Weg des final girls immer durch einen tunnelähnlichen Gang führen muss - ich sage nur: "Geburtskanal!"
Der Film macht sich so effektiv über das Slashergenre lustig, dass er sich selbst die Luft für den letzten Akt abwürgt. Denn als es schließlich doch ernst wird und Leslie damit beginnt seinen wahnwitzigen Plan in die Tat umzusetzen, bleibt der Film hinter seinen Möglichkeiten zurück.
Denn leider benutzt er genau die Klischees, über die er sich vorher lustig gemacht hat. Es stellt sich der Scream Effekt ein, wir haben über das Klischee gelacht und sollen uns trotzdem davor fürchten. Hat das bei Scream noch gut funktioniert weil die Spannungsszenen so gut inszeniert waren, endet der Spaß bei Behind the Mask in dem Moment in dem der Film versucht ernst zu werden.
Der letzte Akt könnte ebensogut aus dem siebten Sequel einer drittklassigen Horrorfilmreihe stammen. Den einzigen Twist kann man meilenweit herannahen sehen und es will sich einfach keine Spannung einstellen. Das ist unglaublich schade, denn käme dieser dritte Akt nicht so halbherzig daher, hätten wir es hier mit einem Klassiker des modernen Horrorfilms zu tun.
Es zeigt sich mal wieder, dass es gar nicht so einfach ist, den Slasherfilm zu revolutionieren. Behind the Mask schafft es zwar eine köstliche Meta-Ebene einzubauen, die die bestehenden Klischees in neuem Licht erscheinen lässt, sobald es aber ans eingemachte geht und wirklich etwas aus dem aufstrebenden "supernatural killer" gemacht werden soll, verlassen den Film jegliche Ideen und der Mut zur Variation.

Fazit:
Ich bin so schrecklich zwiegespalten. So öde das Ende ist, so grandios ist der Aufbau. Selten hat mir ein Film soviel Hoffnung gemacht, und mich dann so bitter enttäuscht. Am liebsten würde ich zwei Wertungen geben:

Für die ersten ca. 60 Minuten:


und für das Ende:



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